Information

Information für Studierende des Master-Moduls APN

Betreff: Auflösung der Abteilung „Allgemeine und Neuropsychologie “ am 31.07.2018

Aufgrund der bestehenden Vakanz der Nachfolge von Prof. Dr. Walter Perrig (Abteilungsleitung Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie) sowie den Emeritierungen im Sommer 2018 von Prof. Dr. Franz Caspar (Abteilungsleitung Klinische Psychologie und Psychotherapie) und Prof. Dr. Thomas Rammsayer (Abteilungsleitung Persönlichkeits‑, differentielle Psychologie und Diagnostik) hat das Fakultätskollegium der Phil.-hum. Fakultät am 30.5.2016 eine Strukturkommission eingerichtet. Diese Kommission hat vor einigen Wochen einen Vorschlag für eine neue Struktur am Institut verabschiedet, der nun durch die Universitätsleitung bestätigt wurde.

Aufgrund der Restrukturierung des Instituts für Psychologie wird die Abteilung für Allgemeine und Neuropsychologie nach dem FS18, am 31. Juli 2018, geschlossen.

Die Abteilung APN stellt sowohl im HS17 wie auch im FS18 das normale Lehrangebot bereit und auch nach der Auflösung der Abteilung werden Frau Prof. K. Henke und Herr Prof. B. Meier sowie weitere Professoren/innen des Instituts für Psychologie Lehrveranstaltungen anbieten, die an das Modul APN angerechnet werden können.

Es können auch nach der Auflösung der Abteilung Masterarbeiten im Modul APN abgeschlossen werden. Es wird aber eine beschränktere Anzahl an Masterarbeiten angeboten, eine entsprechende Masterarbeit kann nicht garantiert werden.

Studierende, die ihren Master mit dem Modul APN entweder bereits begonnen haben oder ihn im FS17 aufnehmen, können ihr Studium beenden.

Im HS 17 kann zum letzten Mal mit dem Modul APN im Master gestartet werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Studienberatung der Abteilung APN (Jasmin Nussbaumer): jasmin.nussbaumer@psy.unibe.ch

Die inhaltliche Ausrichtung der Abteilung und des Masterprogramms APN

Die inhaltlichen Forschungs- und Ausbildungsschwerpunkte der Abteilung sind in den Bereichen Gedächtnis, Lernen, Bewusstsein, Intuition und Emotion verankert. Die Studierenden können gegenwärtig in folgenden Forschungsbereichen in konkreten Projekten mitarbeiten:

  • Bewusste and unbewusste psychische Prozesse
  • Explizites Gedächtnis (bewusste Erinnerungen) und Lernen
  • Implizites Gedächtnis (unbewusste Erfahrung) und Lernen
  • Prospektives Gedächtnis (die Fähigkeit, sich selbst an eine zuvor gefasste Absicht zu erinnern, wenn ein bestimmter Abrufhinweis vorhanden ist)
  • Autobiographisches Gedächtnis (Erfahrung der eigenen Person im Zeitverlauf)
  • Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit und Handlungskontrolle (Exekutivfunktionen)
  • Gedächtnisprobleme, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining
  • Emotionsverarbeitung im Kontext von Gedächtnis und Lernen
  • Textverstehen und Lernen von und aus Texten
  • ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder)
  • Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit über die Lebensspanne

Diese Schwerpunkte in Forschung und Lehre charakterisieren die Abteilung APN als Kompetenzzentrum im Bereich der Kognitionspsychologie. Mit Kognition sind alle Prozesse bezeichnet, durch die der Mensch Kenntnis von Vorgängen und Objekten erhält. Diese Gesamtheit charakterisiert das psychische Geschehen im Menschen. Psychisches wird aber nicht auf bewusstes und erkennendes Erleben oder Lernen beschränkt, sondern umfasst auch all jene Vorgänge, welche Tun und Handeln von Individuen mittels unbewusster senso-motorischer Vorgänge und unbewusster Bedeutungs-, Emotions- und Wissensvermittlung beeinflussen. Gerade in der Erforschung unbewusster Prozesse und im Studium ihrer Beziehung zu bewussten und willentlichen Entscheidungs- und Lernprozessen weist die Abteilung APN grosse Erfahrung auf.

Die Kombination von Methoden und interdisziplinäre Kooperationen

Die Abteilung APN strebt eine enge Verbindung an zwischen der Grundlagenforschung, in der mit Experimenten allgemein gültige Gesetzmässigkeiten erforscht werden, der differentiellen Kognitionspsychologie, in der Gruppen (z.B. Kinder mit ADHD oder Lernbehinderungen) und Einzelpersonen in ihrem geistigen Leistungsvermögen charakterisiert werden, und der Anwendungsforschung, in der Diagnose, Rehabilitation und allgemein Verbesserungen geistiger Leistungen im Zentrum stehen.

Diese Zielsetzung führt zu Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. So bestehen laufende Kooperationen mit dem Anatomischen Institut, dem Institut für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie, der Kinder und Jugendpsychiatrie, der Klinik und Poliklinik für Neurologie, der Neuropädiatrie, Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde und der Universitätsklinik für klinische Psychiatrie. Neben dieser Zusammenarbeit gibt es auch einen etablierten wissenschaftlichen Austausch mit der Philosophie des Geistes.

In ihren Forschungsprojekten arbeitet die Abteilung APN mit experimentellen Verhaltensstudien, oft in Kombination mit psychophysiologischen Messungen (z.B. EDA*) zur Erfassung von Reaktionen des autonomen Nervensystems und mit neurowissenschaftlichen Verfahren zur Messung und Lokalisierung von Gehirnaktivitäten (z.B. fMRI* und EEG*), um das Funktionieren und die Wirkung psychischer Prozesse in den obgenannten Themenbereichen zu untersuchen. In dieser experimentellen Grundlagenforschung wird auf die psychischen Prozesse selbst theoriegeleitet eingewirkt, um diese unter veränderten Bedingungen zu studieren. Dieser experimentelle Zugang wird ergänzt mit „quasi-experimentellen“ Studien zur Charakterisierung verschiedener Personengruppen, z.B. Patientengruppen mit diagnostizierten Hirnschädigungen oder ADHD-Kinder. Auch Einzelfallanalysen sind dabei von zentraler Bedeutung. Hier hat sich besonders ein Arbeitsbereich etabliert, der sich kognitive Neuropsychologie nennt und in dem es darum geht, die Symptome von gehirnverletzten Patienten in Begriffen ihrer fehlenden psychologischen Operationen zu erklären, die für eine normale und effiziente Wahrnehmung, für Sprache, Emotionen und normal funktionierendes Gedächtnis und Lernen notwendig sind.

Die Studierenden der Mastermodule der Abteilung APN werden in Theorie und Praxis dieser wissenschaftlichen Zugänge ausgebildet und auch in die klinische Neuropsychologie eingeführt. Die Mastermodule der APN vermitteln somit methodisches Wissen und inhaltliche Erkenntnisse aus den Bereichen der Allgemeinen Psychologie, der experimentellen, der klinischen und der kognitiven Neuropsychologie. Diese Ausbildung schafft damit eine Basis, auf der ein erfolgreicher Einstieg in die Berufswelt oder die Forschungsbereiche der Neurowissenschaften möglich wird.

Zu welcher Qualifikation und Berufsperspektive führen die Mastermodule APN?

Das von der Abteilung APN angebotene Fachstudium vermittelt die wissenschaftlichen Grundlagen für die Untersuchung, die Erklärung und die Beeinflussung kognitiver Funktionen. Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen des Lernens, des Gedächtnisses und der Emotionen. Aspekte der Sprache, des Lesens und des Lernens von und aus Texten sind auch Teile des Lehrangebotes. Zentral ist die Unterscheidung zwischen bewusst und unbewusst Psychischem. Das Masterstudium in APN ist die ideale Grundlage für weiterführende akademische Karriere in den Bereichen Allgemeine Psychologie, Neuropsychologie und in interdisziplinären Forschungsfeldern, wie etwa der kognitiven Neurowissenschaft. Die Abteilung ANP vermittelt methodische und inhaltliche Grundkenntnisse, die auch in allen psychologischen Berufsfeldern von zentraler Bedeutung sind. Die vertiefte Ausbildung in der experimentellen Psychologie und der Neuropsychologie stellt auch eine ideale Basis für praxisbezogene Weiterbildungsgänge dar. Die besonderen Kenntnisse über das Funktionieren kognitiver Prozesse, deren diagnostische Erfassung, deren therapeutische Beeinflussung bzw. der Verbesserung geistiger Prozesse durch Training stellen besonders günstige Voraussetzungen für die Arbeit etwa in der Psychotherapie, der forensischen Psychologie, der Erziehungsberatung oder der Schulpsychologie dar. Besonders natürlich auch für die Arbeit in der klinischen Neuropsychologie. Die Hauptaufgaben klinischer Neuropsychologen und Neuropsychologinnen liegen in der Diagnostik und der Therapie kognitiver Funktionsstörungen bei hirngeschä-digten Patienten. Dazu gehören die Abklärung und die Behandlung der Auswirkungen ver-schiedener Hirnschädigungen (z.B. Schädel-Hirn-Traumata, Schlaganfälle, Tumore, entzündliche und degenerative Prozesse) in verschiedenen kognitiven Bereichen (Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit etc.) und im emotionalen Erleben. Da im Masterstudium APN auf der Grundlage psychologischer und neuroanatomischer Erkenntnisse Wissen zur Erforschung und Erklärung, zur Diagnostik und Therapie kognitiver Leistungen erworben wird, werden damit besonders günstige Voraussetzungen für eine postgraduale Weiterbildung in klinischer Neuropsychologie geschaffen.

  • EDA = Elektrodermale Aktivität (elektrische Hautleitfähigkeit)
  • fMRI = funktionales Magnet-Resonanz-Imaging
  • EEG    = Elektroencephalographie